Tiefenpsychologisch fundierte Gruppenpsychotherapie
Warum Psychotherapie in einer Gruppe?
Wir Menschen entwickeln uns in Beziehungen. Von Beginn unseres Lebens an machen wir Erfahrungen damit, wie andere auf uns reagieren, ob wir uns sicher und verstanden fühlen, wie mit unseren Bedürfnissen umgegangen wird und welchen Platz wir in einer Gemeinschaft einnehmen.
Diese Erfahrungen beeinflussen, wie wir uns selbst wahrnehmen und was wir später von anderen Menschen erwarten. Sie können dazu beitragen, dass wir uns beispielsweise rasch zurückgewiesen, übersehen, vereinnahmt, kritisiert oder nicht ernst genommen fühlen. Ebenso prägen sie, wie viel Nähe wir zulassen, wie wir mit Konflikten umgehen und ob es uns gelingt, anderen Menschen zu vertrauen.
Solche Beziehungsmuster laufen häufig unbewusst ab. Sie zeigen sich in Partnerschaften, Freundschaften, Familien und im beruflichen Alltag – und können auch innerhalb einer therapeutischen Gruppe unmittelbar erfahrbar werden.
Die Gruppe als Beziehungs- und Erfahrungsraum
In einer tiefenpsychologisch fundierten Gruppenpsychotherapie geht es darum, wiederkehrende Gefühle, Erwartungen und Beziehungsmuster gemeinsam wahrzunehmen und besser zu verstehen.
Die Gruppe eröffnet Möglichkeiten, die in einem ausschließlich einzeltherapeutischen Gespräch nicht in gleicher Weise entstehen können. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer begegnen unterschiedlichen Menschen, Lebensgeschichten, Sichtweisen und Formen des Umgangs mit Gefühlen.
Dabei können beispielsweise folgende Fragen bedeutsam werden:
- Wie erlebe ich mich als Teil einer Gruppe?
- Kann ich mich zeigen und mit meinen Bedürfnissen Raum einnehmen?
- Wie reagiere ich auf Nähe, Zurückhaltung, Unterschiede oder Kritik?
- Was erwarte ich von anderen Menschen?
- Welche Wirkung habe ich auf andere?
- Kann ich Hilfe, Interesse und Wertschätzung annehmen?
- Wie gehe ich mit Missverständnissen und Konflikten um?
Die Reaktionen der anderen Gruppenmitglieder können neue Perspektiven eröffnen. Gleichzeitig kann die Erfahrung entstehen, dass andere Menschen ähnliche Gefühle und Schwierigkeiten kennen, diese jedoch möglicherweise anders verstehen und mit ihnen umgehen.
Gemeinsam verstehen statt vorschnell bewerten
Die psychotherapeutische Gruppe ist kein Ort, an dem Menschen beurteilt werden oder einander sagen sollen, wie sie ihr Leben führen müssen.
Grundlage der therapeutischen Arbeit sind Sicherheit, gegenseitiger Respekt, Vertraulichkeit, Neugier und die Bereitschaft zum gemeinsamen Nachdenken.
Schwierige Gefühle, Irritationen und Konflikte dürfen entstehen. Sie können für die Therapie besonders wertvoll sein, wenn es gelingt, sie nicht nur auszutragen, sondern gemeinsam zu untersuchen:
- Was ist gerade zwischen uns geschehen?
- Welche Gefühle wurden ausgelöst?
- Was habe ich im anderen vermutet oder erwartet?
- Welche frühere Erfahrung könnte dabei berührt worden sein?
- Welche anderen Sichtweisen sind ebenfalls denkbar?
Dabei geht es nicht um vorschnelle Deutungen oder eine möglichst starke Konfrontation. Entscheidend ist, dass auch nach emotional belastenden Momenten wieder ein gemeinsamer Denk- und Verstehensprozess entstehen kann.
So wird die Gruppe zu einem Raum, in dem Beziehungserfahrungen nicht nur besprochen, sondern unmittelbar erlebt, gemeinsam verstanden und allmählich verändert werden können.
Neue Erfahrungen in Beziehungen
Viele Menschen haben im Laufe ihres Lebens gelernt, sich zu schützen – beispielsweise durch Rückzug, Anpassung, Kontrolle, Misstrauen oder den Versuch, möglichst unabhängig von anderen zu sein.
Solche Formen des Umgangs können früher sinnvoll oder sogar notwendig gewesen sein. Heute können sie jedoch mit Einsamkeit, innerer Anspannung und wiederkehrenden Konflikten verbunden sein.
In einer ausreichend sicheren Gruppe können neue Erfahrungen entstehen:
- mit den eigenen Gefühlen angenommen zu werden,
- sich zu zeigen, ohne abgelehnt zu werden,
- Unterstützung anzunehmen,
- andere Menschen besser verstehen zu können,
- Unterschiede auszuhalten,
- eigene Grenzen zu setzen und die Grenzen anderer zu respektieren,
- Missverständnisse zu klären,
- Konflikte zu überstehen,
- und auch nach schwierigen Momenten wieder miteinander in Beziehung zu kommen.
Solche korrigierenden Beziehungserfahrungen können dazu beitragen, auch außerhalb der Therapie neue Möglichkeiten im Umgang mit sich selbst und anderen Menschen zu entwickeln.
Die Gruppe als zentraler Behandlungsort
In meiner Praxis bildet die tiefenpsychologisch fundierte Gruppenpsychotherapie den zentralen und kontinuierlichen Ort der Behandlung.
Vor der Aufnahme finden persönliche Gespräche statt. In diesen lernen wir Ihr Anliegen, Ihre bisherigen Erfahrungen und Ihre Erwartungen an eine Psychotherapie kennen. Gemeinsam prüfen wir, ob mein gruppenpsychotherapeutisches Behandlungskonzept zu Ihrer gegenwärtigen Situation passt und welche meiner Gruppen für Sie geeignet sein könnte.
Vor und während einer Gruppenbehandlung können einzelne persönliche Gespräche sinnvoll sein, wenn eine besondere Situation dies erforderlich macht. Sie ergänzen den Gruppenprozess punktuell, bilden jedoch keine regelmäßige parallele Einzeltherapie.
Ist Gruppenpsychotherapie für mich geeignet?
Viele Menschen sind zu Beginn unsicher, ob sie in einer Gruppe über persönliche Erfahrungen sprechen können. Diese Unsicherheit ist verständlich und spricht für sich genommen nicht gegen eine Gruppenpsychotherapie. Vertrauen muss nicht von Anfang an vorhanden sein, sondern kann sich im Laufe der Zeit entwickeln.
Eine Gruppenpsychotherapie setzt jedoch die Bereitschaft voraus,
- sich verbindlich auf den gemeinsamen Prozess einzulassen,
- regelmäßig teilzunehmen,
- das eigene Erleben zunehmend einzubringen,
- und auch den Erfahrungen anderer Menschen mit Offenheit und Respekt zu begegnen.
Diese Fähigkeiten müssen zu Beginn nicht vollkommen ausgeprägt sein. Sie können selbst Teil der therapeutischen Entwicklung werden.
Ob die Gruppenpsychotherapie für Ihre persönliche Situation gegenwärtig hilfreich ist, klären wir sorgfältig in den vorbereitenden Gesprächen.
