Depressionen und anhaltende Erschöpfung
Wenn Niedergeschlagenheit und innere Leere das Leben zunehmend bestimmen
Traurigkeit, Erschöpfung und Phasen geringerer Belastbarkeit gehören zum menschlichen Leben. Sie können verständliche Reaktionen auf Verluste, Enttäuschungen, Konflikte oder anhaltende Belastungen sein und klingen häufig nach einiger Zeit wieder ab.
Bei einer Depression handelt es sich jedoch nicht nur um eine vorübergehende schlechte Stimmung. Gefühle, Gedanken, körperliches Erleben und die Beziehung zur eigenen Person können sich so stark verändern, dass alltägliche Aufgaben, soziale Kontakte und bisher bedeutsame Aktivitäten zunehmend schwerfallen.
Mögliche Anzeichen einer Depression sind:
- eine anhaltend gedrückte oder niedergeschlagene Stimmung,
- der Verlust von Freude und Interesse,
- Antriebsmangel und schnelle Erschöpfbarkeit,
- Konzentrations- und Entscheidungsschwierigkeiten,
- Grübeln und eine zunehmend negative Sicht auf sich selbst,
- Gefühle von Schuld, Wertlosigkeit oder Hoffnungslosigkeit,
- innere Unruhe, Reizbarkeit oder Ängstlichkeit,
- sozialer Rückzug,
- Schlafstörungen oder ein verändertes Schlafbedürfnis,
- Veränderungen von Appetit und Gewicht,
- körperliche Beschwerden oder Schmerzen,
- Gedanken, nicht mehr leben zu wollen.
Wenn mehrere solcher Beschwerden mindestens zwei Wochen anhalten und das persönliche, soziale oder berufliche Leben deutlich beeinträchtigen, sollte eine fachliche diagnostische Einschätzung erfolgen. Depressionen sind keine Folge mangelnder Willenskraft und lassen sich gewöhnlich nicht dadurch überwinden, dass ein Mensch sich lediglich „zusammenreißt“.
Die persönliche Bedeutung einer Depression verstehen
Depressive Beschwerden können sehr unterschiedliche Ursachen und Auslöser haben. Körperliche, soziale, biografische und psychische Faktoren können zusammenwirken.
Aus psychodynamischer Sicht interessiert zusätzlich, welche persönliche Bedeutung die depressive Entwicklung gewonnen hat. Hinter Niedergeschlagenheit, Erschöpfung oder Selbstentwertung können sich nicht nur Trauer und Hilflosigkeit, sondern auch Enttäuschung, Scham, Einsamkeit, Wut oder unerfüllte Bedürfnisse verbergen.
Manche Menschen haben früh gelernt, eigene Wünsche zurückzustellen, Konflikte zu vermeiden, sich stark anzupassen oder ihren Wert vor allem über Leistung und Anerkennung zu sichern. Solche Formen des Umgangs waren möglicherweise einmal wichtig, um Beziehungen zu erhalten oder schwierige Lebenssituationen zu bewältigen. Langfristig können sie jedoch dazu beitragen, dass eigene Grenzen, Gefühle und Bedürfnisse immer weniger wahrgenommen werden.
In der therapeutischen Arbeit versuchen wir gemeinsam zu verstehen:
- Welche Erfahrungen und Belastungen stehen mit der depressiven Entwicklung in Verbindung?
- Welche Gefühle und Bedürfnisse können nur schwer wahrgenommen oder ausgedrückt werden?
- Welche Ansprüche stelle ich an mich selbst?
- Welche Bedeutung haben Leistung, Anerkennung und das Gefühl, gebraucht zu werden?
- Wie gehe ich mit Enttäuschungen, Verlusten und Konflikten um?
- Kann ich Unterstützung und Zuwendung annehmen?
- Wie gestalte ich Nähe und Rückzug?
- Welche Fähigkeiten und Ressourcen sind durch die Depression momentan kaum noch erreichbar?
Dabei geht es nicht darum, eine einzelne Ursache zu finden. Vielmehr soll ein differenzierteres Verständnis dafür entstehen, wie die Depression in der persönlichen Lebens- und Beziehungsgeschichte verständlich werden kann.
Wie kann Gruppenpsychotherapie bei Depressionen helfen?
Depressive Menschen ziehen sich häufig zurück. Viele erleben sich als Belastung für andere, zweifeln am eigenen Wert oder haben das Gefühl, mit ihren Schwierigkeiten allein zu sein. Gleichzeitig kann es ihnen schwerfallen, Interesse, Unterstützung oder Zuwendung anzunehmen.
Eine psychotherapeutische Gruppe kann diesen Rückzug behutsam unterbrechen. Sie bietet die Möglichkeit, zu erfahren, dass andere Menschen ähnliche Gefühle kennen und dass auch schwierige oder beschämende Seiten der eigenen Person in Beziehung gezeigt werden dürfen.
Die Gruppe kann dabei helfen,
- sich trotz Antriebslosigkeit wieder als Teil einer Gemeinschaft zu erleben,
- eigene Gefühle und Bedürfnisse besser wahrzunehmen,
- Unterstützung zu suchen und anzunehmen,
- die Wirkung starker Selbstkritik zu erkennen,
- Rückmeldungen anderer mit dem eigenen negativen Selbstbild zu vergleichen,
- wiederkehrende Muster von Rückzug, Anpassung oder Selbstentwertung zu verstehen,
- und schrittweise wieder mehr Hoffnung, Lebendigkeit und Selbstwirksamkeit zu erfahren.
Dabei geht es nicht darum, einen Menschen durch Aufmunterung oder Ratschläge von seiner Depression abzubringen. Vielmehr wird gemeinsam untersucht, wie die depressive Erfahrung entstanden ist, welche Bedeutung sie hat und wie neue Erfahrungen mit sich selbst und anderen möglich werden können.
Gerade in einer Gruppe kann erlebbar werden, dass das eigene innere Bild nicht immer mit der Wahrnehmung anderer übereinstimmt. Ein Mensch, der sich selbst als uninteressant, unzulänglich oder belastend erlebt, kann erfahren, dass andere ihn aufmerksam wahrnehmen, Anteil nehmen und seine Beiträge als bedeutsam erleben.
Ob eine Gruppenpsychotherapie für Ihre persönliche Situation und die gegenwärtige Schwere der Beschwerden geeignet ist, klären wir gemeinsam in den vorbereitenden Gesprächen.
Hilfe in akuten psychischen Krisen
Psychische Beschwerden können sich so verstärken, dass rasche und unmittelbare Unterstützung erforderlich ist.
Wenn Sie befürchten, sich selbst oder andere unmittelbar zu gefährden, wählen Sie bitte den Notruf 112. Sie können sich auch direkt an eine psychiatrische Notaufnahme wenden.
In einer akuten seelischen Krise erreichen Sie die Krisendienste Bayern kostenfrei und rund um die Uhr unter 0800 655 3000. Dort erhalten Betroffene, Angehörige und mitbetroffene Personen Beratung und Unterstützung; bei Bedarf kann auch weiterführende ambulante, mobile oder stationäre Hilfe vermittelt werden.
Vertrauliche, anonyme und kostenlose Unterstützung bietet Tag und Nacht auch die TelefonSeelsorge unter 0800 111 0 111.
In einer akuten Gefährdungssituation ist unmittelbare Hilfe erforderlich. Eine Nachricht oder die reguläre Kontaktaufnahme mit meiner Praxis ist hierfür nicht ausreichend.
