Akute Lebenskrisen und Anpassungsstörungen

Wenn vertraute Bewältigungsmöglichkeiten nicht mehr ausreichen

Wir Menschen reagieren sehr unterschiedlich auf belastende Ereignisse und bedeutsame Veränderungen in unserem Leben. Dazu können beispielsweise eine Trennung oder Scheidung, der Verlust eines nahestehenden Menschen, der Übergang in den Ruhestand, ein Schul- oder Arbeitsplatzwechsel, berufliche Konflikte, Fluchterfahrungen, ein Unfall oder eine schwere körperliche Erkrankung gehören.

Wie wir solche Erfahrungen verarbeiten, hängt unter anderem von unserer Persönlichkeit, unserer Lebensgeschichte, unseren bisherigen Beziehungserfahrungen und den gegenwärtig verfügbaren inneren und äußeren Ressourcen ab.

Oft gelingt es uns, uns allmählich an veränderte Lebensumstände anzupassen. Eine Krise kann die bisherigen Möglichkeiten der Bewältigung jedoch zeitweise überfordern. Das, was bisher Halt, Orientierung oder Sicherheit gegeben hat, scheint dann nicht mehr ausreichend zu tragen.

Dabei können unterschiedliche Beschwerden auftreten, zum Beispiel:

  • Gefühle von Überforderung, Hilflosigkeit oder Verzweiflung,
  • Ängste, Niedergeschlagenheit oder anhaltende Traurigkeit,
  • innere Unruhe, Anspannung oder Reizbarkeit,
  • Schlaf- und Konzentrationsschwierigkeiten,
  • körperliche Stressreaktionen wie Herzklopfen, Schwitzen oder Zittern,
  • sozialer Rückzug oder das Gefühl, alltägliche Anforderungen nicht mehr bewältigen zu können,
  • bis hin zu Gedanken, nicht mehr leben zu wollen.

 

Wenn solche Beschwerden in erkennbarem Zusammenhang mit einer belastenden Veränderung entstehen, anhalten und das persönliche, soziale oder berufliche Leben deutlich beeinträchtigen, kann eine Anpassungsstörung vorliegen.

Diese Bezeichnung bedeutet nicht, dass ein Mensch sich „nicht richtig anpassen“ kann oder sich lediglich stärker anstrengen müsste. Sie beschreibt vielmehr, dass eine äußere oder innere Belastung die gegenwärtig verfügbaren Möglichkeiten der Bewältigung überfordert.

Die persönliche Bedeutung einer Krise verstehen

Eine aktuelle Krise lässt sich nicht allein aus dem äußeren Ereignis erklären. Ähnliche Situationen können von verschiedenen Menschen sehr unterschiedlich erlebt werden.

Belastende Veränderungen können frühere Erfahrungen von Verlust, Zurückweisung, Hilflosigkeit, Abhängigkeit oder mangelnder Unterstützung berühren. Manchmal gerät durch ein gegenwärtiges Ereignis auch das bisherige Bild von sich selbst, von anderen Menschen oder vom eigenen Lebensweg ins Wanken.

In der psychotherapeutischen Arbeit geht es deshalb nicht nur darum, die unmittelbare Belastung zu verringern. Gemeinsam versuchen wir auch zu verstehen:

  • Warum trifft mich gerade dieses Ereignis so stark?
  • Welche Gefühle und früheren Erfahrungen werden dadurch berührt?
  • Welche bisherigen Formen der Bewältigung reichen gegenwärtig nicht mehr aus?
  • Welche Unterstützung kann ich annehmen und welche eigenen Fähigkeiten sind momentan schwer zugänglich?
  • Wie kann wieder ein neuer innerer und äußerer Handlungsspielraum entstehen?

Wie kann Gruppenpsychotherapie in einer Krise helfen?

In belastenden Lebenssituationen ziehen sich Menschen häufig zurück. Mitunter entsteht das Gefühl, mit dem eigenen Erleben allein zu sein oder von anderen nicht wirklich verstanden zu werden.

Eine psychotherapeutische Gruppe kann die Erfahrung ermöglichen, mit der eigenen Verunsicherung nicht allein bleiben zu müssen. Andere Gruppenmitglieder können Anteil nehmen, unterschiedliche Perspektiven eröffnen und dabei helfen, Gefühle und Reaktionen besser einzuordnen.

Dabei geht es nicht darum, einander vorschnelle Ratschläge zu erteilen. Vielmehr kann gemeinsam verstanden werden, welche persönliche Bedeutung die Krise entwickelt hat und wie sie sich auf das Erleben von sich selbst und anderen auswirkt.

Die Gruppe bietet außerdem die Möglichkeit,

  • Unterstützung zu suchen und anzunehmen,
  • eigene Bedürfnisse auszusprechen,
  • sich auch mit Unsicherheit oder Verletzlichkeit zu zeigen,
  • unterschiedliche Sichtweisen zuzulassen,
  • sich wieder als Teil einer Gemeinschaft zu erleben,
  • und neue Möglichkeiten im Umgang mit Belastungen und Beziehungen zu entwickeln.

 

Durch die Begegnung mit anderen können verschüttete Ressourcen, Hoffnung und Selbstwirksamkeit wieder zugänglicher werden. Zugleich kann die Krise in einen größeren Zusammenhang der eigenen Lebens- und Beziehungsgeschichte eingeordnet werden.

Ob eine Gruppenpsychotherapie für Ihre persönliche Situation gegenwärtig geeignet ist, klären wir gemeinsam in den vorbereitenden Gesprächen.

Hilfe in akuten psychischen Krisen

Psychische Beschwerden können sich so verstärken, dass rasche und unmittelbare Unterstützung erforderlich ist.

Wenn Sie befürchten, sich selbst oder andere unmittelbar zu gefährden, wählen Sie bitte den Notruf 112. Sie können sich auch direkt an eine psychiatrische Notaufnahme wenden.

In einer akuten seelischen Krise erreichen Sie die Krisendienste Bayern kostenfrei und rund um die Uhr unter 0800 655 3000. Dort erhalten Betroffene, Angehörige und mitbetroffene Personen Beratung und Unterstützung; bei Bedarf kann auch weiterführende ambulante, mobile oder stationäre Hilfe vermittelt werden.

Vertrauliche, anonyme und kostenlose Unterstützung bietet Tag und Nacht auch die TelefonSeelsorge unter 0800 111 0 111.

In einer akuten Gefährdungssituation ist unmittelbare Hilfe erforderlich. Eine Nachricht oder die reguläre Kontaktaufnahme mit meiner Praxis ist hierfür nicht ausreichend.