Meine therapeutische Haltung

Menschen kommen mit sehr unterschiedlichen Lebensgeschichten, Erfahrungen und Anliegen in eine Psychotherapie. Was für einen Menschen hilfreich und stimmig ist, lässt sich deshalb nicht allgemein festlegen.

 

Mir ist wichtig, Ihnen nicht mit fertigen Antworten oder Vorstellungen davon zu begegnen, wie Sie Ihr Leben führen sollten. Vielmehr möchte ich gemeinsam mit Ihnen verstehen, wie Sie zu dem Menschen geworden sind, der Sie heute sind, welche Bedeutung Ihre Beschwerden und bisherigen Formen der Bewältigung haben und welche Entwicklungsmöglichkeiten sich daraus ergeben können.

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Psychische Beschwerden verstehen

Psychische Beschwerden betrachte ich nicht losgelöst von der persönlichen Lebensgeschichte und den Erfahrungen, die ein Mensch mit sich selbst und in Beziehungen gemacht hat.

Was heute belastet, war möglicherweise zu einem früheren Zeitpunkt eine wichtige Möglichkeit, mit schwierigen inneren oder äußeren Bedingungen umzugehen. Rückzug kann vor Enttäuschung schützen. Kontrolle kann helfen, sich weniger hilflos zu fühlen. Eine starke Anpassung kann dem Wunsch dienen, eine wichtige Beziehung nicht zu gefährden.

Deshalb geht es in der Therapie nicht nur darum, Symptome möglichst rasch zu beseitigen. Gemeinsam versuchen wir auch, ihre Bedeutung, ihre Schutzfunktion und ihre Verbindung zur eigenen Lebensgeschichte zu verstehen.

Verstehen bedeutet dabei nicht, Beschwerden einfach hinzunehmen. Es kann vielmehr die Voraussetzung dafür sein, dass bisher notwendige Formen des Umgangs nicht mehr automatisch wiederholt werden müssen und neue Möglichkeiten entstehen können.

Beziehung als Grundlage von Veränderung

Die Grundlage meiner Arbeit ist eine ausreichend sichere, verlässliche und respektvolle therapeutische Beziehung.

Veränderung entsteht aus meiner Sicht nicht allein durch Erkenntnisse oder theoretische Erklärungen. Sie wird vor allem dort möglich, wo Gedanken, Gefühle und Beziehungserfahrungen in einem vertrauensvollen Rahmen gemeinsam wahrgenommen, ausgehalten und neu verstanden werden können.

Frühere Erfahrungen beeinflussen häufig, was wir von anderen Menschen erwarten, wie wir Nähe und Distanz gestalten, wie wir mit Abhängigkeit, Selbstständigkeit, Kritik oder Zurückweisung umgehen und welche Rollen wir in Beziehungen einnehmen.

Solche Muster können auch in einer Psychotherapie spürbar werden. Vielleicht entsteht die Sorge, nicht verstanden, beurteilt, kontrolliert oder zurückgewiesen zu werden. Möglicherweise fällt es schwer, Unterstützung anzunehmen, eigene Bedürfnisse auszudrücken oder einer anderen Sichtweise Raum zu geben.

Diese Erfahrungen sind keine Fehler im therapeutischen Prozess. Sie können wichtige Hinweise darauf geben, wie Beziehung erlebt und gestaltet wird. Wenn es gelingt, auch Irritationen, Enttäuschungen und unterschiedliche Perspektiven gemeinsam zu betrachten, können allmählich neue Beziehungserfahrungen entstehen.

Gemeinsam denken statt vorschnell bewerten

Meine therapeutische Haltung ist von Neugier statt vorschneller Gewissheit, von Verstehen statt Bewerten und von Respekt vor der Eigenständigkeit des anderen Menschen geprägt.

Ich verstehe Therapie als einen gemeinsamen Prozess. Sie bringen Ihre Lebensgeschichte, Ihre Gefühle, Ihre Erfahrungen und Ihre eigene Wahrnehmung mit. Ich bringe meine fachliche Erfahrung, meine Aufmerksamkeit und meine therapeutischen Überlegungen ein.

Dabei bemühe ich mich nicht darum, fertige Antworten oder allgemeingültige Lösungen vorzugeben. Ich möchte einen Raum unterstützen, in dem auch Unsicherheit und Widersprüchlichkeit ausgehalten werden können und in dem neue Fragen, Perspektiven und Möglichkeiten entstehen.

Auch schwierige Gefühle wie Angst, Scham, Trauer oder Wut dürfen sichtbar werden. Konflikte sollen weder vermieden noch absichtlich provoziert werden. Entscheidend ist, ob es gelingt, nach emotional belastenden Momenten wieder in einen gemeinsamen Denk- und Verstehensprozess zurückzufinden.

Die Gruppe in meiner therapeutischen Arbeit

Im Mittelpunkt meines Behandlungskonzeptes steht die tiefenpsychologisch fundierte Gruppenpsychotherapie.

Die Gruppe erweitert die therapeutische Beziehung um die Erfahrungen und Sichtweisen anderer Menschen. Wiederkehrende Beziehungsmuster können dadurch nicht nur rückblickend besprochen, sondern im gegenwärtigen Kontakt unmittelbar wahrgenommen und gemeinsam verstanden werden.

Die ausführliche Arbeitsweise und die besonderen Möglichkeiten der Gruppe beschreibe ich auf der Seite Gruppenpsychotherapie.

Theoretische Orientierung

Meine Arbeit ist geprägt von tiefenpsychologischen, relationalen, intersubjektiven, bindungsorientierten und gruppenanalytischen Ansätzen.

Wichtige Anregungen verdanke ich unter anderem:

Donald W. Winnicott, dessen Arbeiten die Bedeutung eines ausreichend sicheren, haltgebenden und entwicklungsfördernden Beziehungsraums hervorheben.

Wilfred Bion, der beschrieben hat, wie belastende emotionale Erfahrungen in Beziehungen und Gruppen aufgenommen, gehalten und allmählich denkbar werden können.

H. Foulkes, der die Gruppe nicht nur als Ansammlung einzelner Menschen, sondern als gemeinsamen Beziehungs- und Kommunikationsraum verstand.

Darüber hinaus fließen Erkenntnisse aus der Bindungstheorie, der Mentalisierungsbasierten Therapie, der relationalen Psychoanalyse, der Operationalisierten Psychodynamischen Diagnostik sowie humanistischer Psychotherapieverfahren in meine Arbeit ein.

Diese Modelle verstehe ich nicht als starre Wahrheiten. Sie sind für mich unterschiedliche Landkarten, die helfen können, einen Menschen und den therapeutischen Prozess differenzierter zu verstehen.

Entscheidend bleibt jedoch immer die konkrete Begegnung mit dem einzelnen Menschen und die Frage, was innerhalb dieser besonderen therapeutischen Beziehung hilfreich und entwicklungsfördernd sein kann.